Artikel der Kategorie ‘Leo Leuchtturm’

Leo Leuchtturm: Zu kurz gesprungen und über’s Ziel hinausgeschossen

August 17, 2010 Von: bs Kategorie: Allgemein, Leo Leuchtturm Noch keine Kommentare →

Kleinkünstler Jens Ohle aus Hamburg in der Vorderreihe (Foto: Bernd Scheel)

Kleinkünstler Jens Ohle aus Hamburg in der Vorderreihe (Foto: Bernd Scheel)

Klappern gehört ja bekanntlich zum Handwerk, Werbung arbeitet gern mit Übertreibungen und das Schönreden von weniger schönen Ereignissen ist ein Teil davon. Wenn man aber zu laut klappert, tut’s im Ohr weh, und die Übertreibungen sollten halbwegs glaubwürdig bleiben, wenn man sich nicht lächerlich machen will.

Lübecks (häufig kritisierte) Tourismuszentrale LTM (Lübeck und Travemünde Marketing) hat sich keinen Gefallen getan, als sie die Veranstaltungen des letzten Wochenendes – und hier insbesondere den Neustart “Pinn & Pann” – in einer Pressemitteilung zum Riesenerfolg hochjubelte und 80.000 Besucher zählte. Das ist einfach Quatsch.

Das Bouleturnier mit seinen rund 1000 Teilnehmern plus Anhang und das Altstadtfest kann man bei der Analyse getrost vernachlässigen, die fügten der Besucherzahl von “Pinn & Pann” nichts Wesentliches hinzu.

In der Tat hätte “Pinn & Pann” wohl an die 80.000 Gäste gebraucht, um die Festmeile von der Travepromenade bis zum Fischereihafen zu füllen und nicht, wie allenthalben der Fall, den Eindruck von Leere entstehen zu lassen (selbst wenn man den verregneten Samstag mal abzieht).

Musik im Fischereihafen (Foto: Bernd Scheel)

Musik im Fischereihafen (Foto: Bernd Scheel)

Am Sonntag war Travemünde gut besucht. Das Angebot der durchaus ansprechend dekorierten Sitzbänke in der Vorderreihe wurde eifrig angenommen, aber eben nicht als “Tafel”, um ausgiebig zu speisen, sondern als Sitzgelegenheit, um die Fritten vom Imbiss oder den Kaffee aus dem Pappbecher zu verzehren.

Fazit: “Pinn & Pann” hat seine Zielgruppe nicht erreicht, weder bei Pinn noch bei Pann. Bei Pann: Die Genusskarte für 29 Euro war ein durchaus gutes Angebot, aber offenbar fanden sich da verschwindend wenige, die so viel Geld für ihr Essen ausgeben wollten. Und bei Pinn: es gab  auch Angebote für Segeltörns, die nur 30 Euro kosteten, aber da mochten wohl auch nicht so viele ins Portemonnaie greifen.

Das Konzept der “Genusskarte” war auch nicht eben leicht verständlich. Da hätte vermutlich viel mehr Werbung im Vorfeld gemacht werden müssen, und das nicht in wortgewaltigen Abhandlungen, sondern in kurzen, griffigen Slogans. Die Printmedien entlang der Küste wurden zu wenig und/oder zu spät genutzt, um Menschen auf “Pinn & Pann” neugierig zu machen. Das konnte durch das Dutzend von Werbetrailern auf Radio Schleswig-Holstein nicht wettgemacht werden.

"Pinn & Pann" an der Tornadowiese (Foto: Bernd Scheel)

"Pinn & Pann" an der Tornadowiese (Foto: Bernd Scheel)

Eine geschlossene, stimmungsvolle Atmosphäre stellte sich nur hier und da gelegentlich ein, und am stärksten war dies im Fischereihafen der Fall. Das gilt es zu verstärken.

Natürlich kam auch das Wetter “Pinn & Pann” in die Quere, aber so ist das nun mal mit den Freiluftveranstaltungen an der Ostseeküste, und bisher hatte die Tourismuszentrale mit ihren Veranstaltungen überdurchschnittlich viel Glück, was die Witterung angeht.

Mit “Pinn & Pann” hat die LTM durchaus Ideen präsentiert, die weiter entwickelt werden können. Bei der Umsetzung ist sie allerdings zu kurz gesprungen und am Ende – kurioserweise – bei der Bewertung der Veranstaltung weit über das Ziel hinausgeschossen.

Leo Leuchtturm

Leo Leuchtturm: Das ist die “Travemünder Woche”

August 03, 2010 Von: bs Kategorie: Allgemein, Leo Leuchtturm, Sport Noch keine Kommentare →

Tja…mmh…. wenn das so ist, dann ist das eben so… ist ja auch nicht schlecht… im Gegenteil: Wo man auch fragt, wen man auch fragt: Da herrscht Zufriedenheit mit dem Verlauf der 121. Travemünder Woche, und das geht hin bis zu Euphorie – “schönste Travemünder Woche” – was natürlich auch eine Frage des Erinnerungsvermögens ist.

Rauchiges Rot: Abschlussfeuerwerk (Foto: Bernd Scheel)

Rauchiges Rot: Abschlussfeuerwerk (Foto: Bernd Scheel)

Natürlich haben die Wettergötter da immer eine gehörige Portion mitzureden, und die waren wohl gesonnen. Selbst als am Abschlusssonntag kräftige Regengüsse über Travemünde niedergingen, ließ sich das Publikum kaum verschrecken, und eine schier unübersehbare Autokolonne bewegte sich gegen 22 Uhr nach Travemünde hinein, um das Abschlussfeuerwerk zu erleben. Während des Feuerwerks blieb es dann ja auch trocken, wenn auch das pyrotechnische Konzept – Abbrennen von der Norder- und der Südermole (auf der Priwallseite) – noch nicht so ganz aufzugehen schien. Da wurden zwei Feuerwerke abgebrannt und Fotografen hätten ein “Fischauge” vor der Kamera haben müssen, um beides einzufangen. Eindrucksvoll war es trotzdem einschließlich der dazu abgespielten Musik, wenn auch die drückende Luft den Rauch am Abziehen hinderte: Aber auch rot illuminierte Rauchsterne haben durchaus ihren Reiz.

Herausragende Neuigkeit der Travemünder Woche war mit Sicherheit die “Trave-Arena”, wo ein vieltausendköpfiges Publikum nun Segeln endlich zum Anfassen erleben konnte (”Travemünde .Netz vom 26.7. und 1.8.2010: “Das ist Segeln zum Anfassen pur!” und “A-Cats runden Trave-Arena” ab“). Fortschritte wurden sicher auch bei der Schaffung kleiner “Zentren” auf der Travemünder Woche gemacht, so im “Gipsy Village” auf der Strandpromenade am Fontänenfeld, bei der “irischen” Bühne” an der Mole und den Beach-Clubs, die von fünf auf drei schrumpften. Beim durchaus spannenden Experiment der “Classis Night” in den Beach-Clubs darf sicher noch etwas nachgearbeitet werden (”Klassik und Feuerwerk“).

Fritz Toelsner von “Radio Travemünde” im Interview mit Wettfahrtleiter Walter Mielke:

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Beschwerden über die Lautstärke gab es wenige und sogar von beiden Seiten: Abertausende hatten sich zum Auftritt von Jürgen Drews (”Der König und seine Untertanen“) eingefunden, aber nur die am und unter dem Zeltdach kriegten etwas davon mit, weil die Lautsprecheranlage – zur Schonung der umliegenden Hotels – nur auf diesen Bereich ausgerichtet war. Anderen war manches natürlich wieder zu laut, so am Samstagabend “Robbie and the Williams “. Tja, da stand der Wind auf Ost und Travemünde konnte bis hinauf zur Nordmeerstraße mithören. Aber das war war auch nicht lauter als der Lärm, der sich bei Südwest vom Skandinavienkai her ausbreitet. Das ist so! Und nach wie vor gilt: Wer wirklich Ruhe sucht, sollte Travemünde in den zehn Tagen der Travemünder Woche weiträumig umfahren. Das ist so!

Bejubelter Neuzugang: "SarahJaminn" mit Sarah Jane Mc Minn (Foto: Bernd Scheel)

Bejubelter Neuzugang: "SarahJaminn" mit Sarah Jane McMinn (Foto: Bernd Scheel)

Ausgewogen und vielfältig war das Programm auf der Festivalbühne im Brügmanngarten: Da gab es wieder Selbstläufer wie natürlich Jürgen Drews, “Abbafever” und “United Four”, aber auch durchaus neues, herausragendes wie “Julia Neigel & Edo Zanki” sowie Johannes Oerding. Spannend sind immer wieder die Überraschungen, die mehr oder weniger “namenlos” auf die Bühne kommen und Künstlern und Publikum sehr viel Spaß machen wie “SarahJaminn” mit der ausgezeichneten britischen Sängerin Sarah Jane McMinn oder – als bejubelter “Pausenfüller” – Aranka Strauss. Letztere gehört zur weit verzweigten Rosenberg-Familie – wie auch Marianne Rosenberg – und Wolkly Rosenberg stand auch Tag für Tag mit seiner Gitarre  auf der kleinen Bühne im “Gipsy-Village”.

Fritz Toelsner von “Radio Travemünde” im Interview mit Uwe Bergmann, Organisator des Landprogramms:

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Vielleicht kam die diesjährige Travemünder Woche auch so ausgeglichen daher, weil sich die Ansprüche der Realität angepasst haben: Lübecks Bürgermeister Bernd Saxe hat seine leeren Taschen nun schon so häufig nach außen gekrempelt, dass auch der “Lübecker Yachtclub” und die “Travemünder Woche GmbH” nicht mehr ernthaft die Forderung nach einem Regattazentrum an der Travepromenade erhoben hätten. Da ist man schon zufrieden mit der Verbessrung der sanitären Einrichtungen für die Segler am Strand an der Mole.

Fritz Toelsner von “Radio Travemünde” im Interview mit dem Geschäftsführer der Travemünder Woche, Andreas Stuelcken:

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Eines gab der neue Geschäftsführer der Travemünder Woche, Andreas Stülcken, der Politik dann aber doch noch auf den Weg: Die Flächen an der Trave, am Grünstrand, auf dem Priwall und auf dem Leuchtenfeld seien unabdingbar für die Ausrichtung der Segelwoche. Das liegt mit so manchen Planungsideen aller Lübecker Parteien in Konflikt.

Kleinkunstbühne "Travemünder Woche" (Foto: Bernd Scheel)

Kleinkunstbühne "Travemünder Woche" (Foto: Bernd Scheel)

Seien wir nüchtern: Was wir in diesem Jahr erlebt haben, ist ein Abbild dessen, was in den folgenden Jahren kommen wird. Hier und da mag etwas verbessert werden, hier und da wieder gemeckert werden können. Der schielende Blick nach Kiel bringt nichts, denn mehr als eine runde Million Besucher kann Travemünde in zehn Tagen gar nicht fassen. Die Erträge des Landprogramms, das sich kaum noch ausweiten lässt, finanzieren die Segelwoche (mit). Solange diese Grundkonstruktion aufrecht erhalten wird, kann es keine wesentlichen Veränderungen geben: Das ist die “Travemünder Woche”.

Leo Leuchtturm

Mach’ das Licht an, liebe Bahn!

Juli 09, 2010 Von: bs Kategorie: Allgemein, Leo Leuchtturm Noch keine Kommentare →

Der Travemünder Strandbahnhof hat ja was. Wunderschön ist er, seit er vor geraumer Zeit saniert wurde. Und er hat noch was, was recht einzigartig ist: Die Anzeige “Zug nach Lübeck” mit der entsprechenden Abfahrtszeit. Kann man auch gut lesen. Tagsüber. Bei Dunkelheit offenbart sich leider, dass da kaum noch eine Glühlampe funktioniert, fast völlig dunkel ist der “Zug nach Lübeck”. Auch das Zifferblatt der Uhr schwächelt.

Mach' das Licht an, Deutsche Bahn! (Foto: Bernd Scheel)

Mach' das Licht an, Deutsche Bahn! (Foto: Bernd Scheel)

Also, liebe Bahn, investier’ mal in ein paar Leuchtkörper, damit Travemünde auch bei Dunkelheit zeigen kann, was es zu zeigen hat. Ist doch Hochsaison. Wenn nicht jetzt, wann dann? Täglich kommen neue Gäste an, auch mit der Bahn. Tu’ was für deine (Fahr-) Gäste, Deutsche Bahn. Und für Travemünde auch.

Leo Leuchtturm

Leo Leuchtturm: Abenteuer Fährticket

Juli 06, 2010 Von: bs Kategorie: Allgemein, Leo Leuchtturm Noch keine Kommentare →

Seit dem 1. Juli gelten ja nun die neuen Tarife für die Priwallfähre. Eine Jahreskarte Erwachsener+Fahrrad kann ich mir nicht mehr leisten, will ich auch nicht, denn wofür ich bisher 65 Euro bezahlte, soll jetzt 206 Euro kosten, und in den kommenden Jahren springt der Preis munter weiter nach oben.

Also brauche ich eine Mehrfahrtenkarten. Die Nachmittagssonne scheint ganz wunderbar auf die beiden Automaten, aber mit halb zugekniffenen Augen begreife ich, warum die Leute nur vor dem linken Automaten Schlange stehen: Der rechte ist “Außer Betrieb”. Das ist er übrigens drei Tage später immer noch.

Abenteuer Fahrscheinautomat (Foto: bs)

Abenteuer Fahrscheinautomat (Foto: bs)

Also nur Mut, nicht von der Schlange hinter mir unter Druck setzen lassen. “Sie sind alle Ahnungslose wie du”, bete ich mir vor. Also: “Mehrfahrtenkarte”. Nach mehreren Versuchen reagiert der “Touchscreen” auf mein Begehren. Weiter: “Erwachsener”. Ah, gut, das Fahrrad kann man gleich dazu buchen. Toll, hätte ich gar nicht erwartet! Okay. Eingabe geschafft. 7,50 Euro will der Automat haben. “Bitte möglichst passend zahlen.” Scheine nimmt er nicht. Na, warum auch, 7,50 hat man doch immer in Silber im Portemonnaie oder etwa nicht? Der Kiosk nebenan verkauft keine Fahrscheine, wechselt auch nicht.

So, Ticket rausgreifen und schnell auf die Fähre, sonst ist noch eine weg! Ich schau’ mir meinen Fahrschein an: Da steht € 4,50 drauf! Ich hab’ doch 7,50 Euro reingeworfen!!! Nee, mein Ticket ist ja nur das für den Fußgänger! Später suche ich das Büro des “Stadtverkehrs Lübeck” gleich neben den Automaten auf. Der Druck auf einen unscheinbaren Klingelknopf mit nachfolgendem Surren verschafft mir Einlass.

“Ja, für das Fahrrad wird ein Extra-Ticket ausgedruckt”, erfahre ich. “Die Tickets für Fußgänger und Fahrräder werden gesondert abgerechnet.” Na, bestens, das hat mir der Automat nicht verraten. Da hat sich dann ein anderer über das Mehrfahrtenticket für ein Fahrrad gefreut, und ich habe meine gute Tat für diesen Tag im Gegenwert von 3 Euro getan.

Für so ausgebufft hätte ich den “Stadtverkehr Lübeck” ja gar nicht gehalten. Der will sein Geld mit Ahnungslosen verdienen, den Psychodruck in der Warteschlange in bare Münze umwandeln! Den zweiten Automaten haben die bestimmt selbst lahmgelegt! Das kann ja heiter werden, wenn sich die Touris im Sommer im “Public Sweating” vor dem einen Automaten üben. Und das Grinsen von Geschäftsführer Willi Nibbe und dem Aufsichtsratsvorsitzenden Ulrich Pluschkell (SPD) – ob der’n Freifahrtticket hat? – möchte ich sehen, wenn sie abends den Automaten leeren und doppelt so viel Geld rauskommt wie Tickets ausgegeben wurden.

Aber das sind alles ehrenwerte Leute, und ich bin sicher, dass sie das nur für die einheimische Bevölkerung wie mich tun – wie auch schon für die Priwaller – damit ich dann im nächsten Jahr wieder meine Jahreskarte kaufen kann: Für 65 Euro!

Leo Leuchtturm

Leo Leuchtturm: Was ist ein Orts-Rund-Rat?

Juni 23, 2010 Von: bs Kategorie: Allgemein, Leo Leuchtturm Noch keine Kommentare →

Die Wellen schlagen ja wieder hoch im Travemünder Wasserglas! Herr Hovestädt, frisch gekürter Vorsitzender der SPD-Travemünde, verkündete, die Partei werde nicht mehr im Ortsrat mitarbeiten, sondern zu bestimmten Themen einen „Runden Tisch“ einrichten, an dem „dann die verschiedensten Organisationen und Institutionen aus Travemünde“ teilnehmen können.

Comic von Michael Böttger vom März 2009

Comic von Michael Böttger vom März 2009

Was war denn gleich nochmal ein „runder Tisch“? Ja, der war doch 1989/90, als sich die DDR verabschiedete, in aller Munde, und der besagte, dass sich an eben diesem Tisch Menschen gleichberechtigt und ohne Hierarchien – ohne Apparatschiks und Parteifunktionäre – zusammensetzten, um einen von allen Seiten anerkannten Kompromiss zu finden.

ortsratcomic02Die GRÜNEN befanden schon vor geraumer Zeit, dass der runde Ortsratstisch ziemlich eckig sei, das heißt, dass eine im Sinne Travemündes offene Diskussion nicht stattfinden konnte, weil die anderen Parteien, allen voran die CDU, schon mit festen Parteipositionen in die Sitzungen gingen. (Ein „Fehltritt“ war der vorübergehende CDU-Ortsratsvoritzende Jörn Halske, der den Tisch allzu rund gestaltete und deswegen auch schnell wieder gehen musste.)

ortsratcomic03Nun verlässt also auch die SPD den Ortsrat, die stärkste Partei in der Lübecker Bürgerschaft, die zweitstärkste Partei in Travemünde. Bravo, Herr Reinhardt (SPD-Fraktionsvorsitzender in Lübeck), das haben Sie gut hingekriegt, dieses Geseiere von einem Ortsbeirat (der formale Rechte hätte) ist Ihnen doch sowieso auf den Sack gegangen. Bravo, Herr Hovestädt, Sie sind wirklich eine treue Stimme Ihres Herrn. Wo bleibt da der freie „eulenspiegelische“ Geist?

Peter Reinhardt (SPD) (Karikatur: Michael Böttger)

Peter Reinhardt (SPD) (Karikatur: Michael Böttger)

Aber die Travemünder CDU hat ja auch immer den Schwanz eingezogen, wenn es darum ging, dem Willen des Ortsrats Travemünde mehr Geltung zu verschaffen. Nein, nein, bloß kein lautes Wort gegenüber Lübeck, das bringt nichts, wir nehmen „informell“ Einfluss, das ist wirksamer. Und wenn es nichts bringt? Naja, April, April, wir haben unser Bestes getan, die Zeiten sind eben nicht so…

Nun brüllen die Löwen: „Der Ortsrat ist Ansprechpartner für die Bürgerinnen und Bürger Travemündes und er wird es bleiben!“, verkündet Thomas Schapke (vormals SPD) für die BfL  und der Rest-Ortsrat setzt nach: „Der Ortsrat ist der demokratisch legitimierte Ansprechpartner in Travemünde sowie für die Hansestadt Lübeck.“ Wenn nun auch noch der Lübecker CDU-Fraktionsgeschäftsführer Oliver Fraederich den Ortsrat preist, so sind das riesengroße, kullerrunde Krokodilstränen und sonst gar nichts.

ortsratcomic04Tut mir leid, lieber Ortsrat, aber ohne die größte Partei in der Lübecker Bürgerschaft bist Du nichts als eine Quasselbude, auf die niemand hören muss. Ich weiß, ich weiß, die CDU regelt das ja wieder informell… aber BfL, FDP und LINKE werden da gar nichts regeln. – Müdes Lächeln.

Es gab mal einen Ortsrat Travemünde, der wurde gegründet, weil man die WUT (Wählerinitiative unabhängiges Travemünde) dann doch (noch) nicht ins Leben rufen wollte. Der wurde gegründet, um die „Stimme Travemündes“ in Lübeck hörbar zu machen. Und der hatte über lange Jahre einen fürchterlich autoritären Vorsitzenden (der sich noch steigerte, nachdem die CDU bei den vorletzten Kommunalwahlen die absolute Mehrheit errang), der es aber immer wieder schaffte, die Ortsratsmitglieder daran zu erinnern, worum es ging: Die Stimme Travemündes.

ortsratcomic05Heute stimmt da gar nichts mehr. Gibt es noch andere Hoffnungsträger? Die Handwerkergemeinschaft hüllt sich in Schweigen. Die Travemünder Wirtschaftsgemeinschaft (TWG) hat gerade eine Unterschriftensammlung initiiert, weil der Lübecker Wirtschaftssenator Schindler der TWG keine Auskunft geben mochte, was der Stand der Dinge beim AquaTop ist. – Na, angesichts dieser Bedrohung wird der Herr Senator jetzt wahrscheinlich zähneklappernd und knieschlotternd unter der Bettdecke liegen und nach „Mama“ schreien! – Zahnlos.

ortsratcomic06Na bravo, Lübeck hat’s geschafft! Ach was, von wegen Lübeck, Travemünde braucht Lübeck gar nicht, um sich heillos zu zerstreiten, um nur noch ohne Sinn und Ziel vor sich hin zu quasseln. Mein runder Tisch, dein runder Tisch, mein Ortsrat, dein Ortsrat. Horrido, wir beballern uns mit Pressemitteilungen, was für `ne Gaudi! Denen haben wir’s aber wieder gegeben!

Zerschlagt Eure Spiegel – es sei denn, es seien echte Eulenspiegel – tretet ein paar Schritte zurück, vergesst Eure Namen und Eure Positionen, schlaft noch ein paar Nächte drüber und findet an einem wirklich runden Tisch zusammen – ohne Apparatschiks alter und neuer Couleur. – Sonst tretet Ihr Euch beim nächsten Mal im Gerichtssaal  (Priwall Waterfront, Gosch usw….) gegenüber. – Was für eine Niederlage für alle Beteiligten, was für eine Niederlage für Travemünde! Beschämend.

Leo Leuchtturm