Leo Leuchtturm: Zu kurz gesprungen und über’s Ziel hinausgeschossen
Klappern gehört ja bekanntlich zum Handwerk, Werbung arbeitet gern mit Übertreibungen und das Schönreden von weniger schönen Ereignissen ist ein Teil davon. Wenn man aber zu laut klappert, tut’s im Ohr weh, und die Übertreibungen sollten halbwegs glaubwürdig bleiben, wenn man sich nicht lächerlich machen will.
Lübecks (häufig kritisierte) Tourismuszentrale LTM (Lübeck und Travemünde Marketing) hat sich keinen Gefallen getan, als sie die Veranstaltungen des letzten Wochenendes – und hier insbesondere den Neustart “Pinn & Pann” – in einer Pressemitteilung zum Riesenerfolg hochjubelte und 80.000 Besucher zählte. Das ist einfach Quatsch.
Das Bouleturnier mit seinen rund 1000 Teilnehmern plus Anhang und das Altstadtfest kann man bei der Analyse getrost vernachlässigen, die fügten der Besucherzahl von “Pinn & Pann” nichts Wesentliches hinzu.
In der Tat hätte “Pinn & Pann” wohl an die 80.000 Gäste gebraucht, um die Festmeile von der Travepromenade bis zum Fischereihafen zu füllen und nicht, wie allenthalben der Fall, den Eindruck von Leere entstehen zu lassen (selbst wenn man den verregneten Samstag mal abzieht).
Am Sonntag war Travemünde gut besucht. Das Angebot der durchaus ansprechend dekorierten Sitzbänke in der Vorderreihe wurde eifrig angenommen, aber eben nicht als “Tafel”, um ausgiebig zu speisen, sondern als Sitzgelegenheit, um die Fritten vom Imbiss oder den Kaffee aus dem Pappbecher zu verzehren.
Fazit: “Pinn & Pann” hat seine Zielgruppe nicht erreicht, weder bei Pinn noch bei Pann. Bei Pann: Die Genusskarte für 29 Euro war ein durchaus gutes Angebot, aber offenbar fanden sich da verschwindend wenige, die so viel Geld für ihr Essen ausgeben wollten. Und bei Pinn: es gab auch Angebote für Segeltörns, die nur 30 Euro kosteten, aber da mochten wohl auch nicht so viele ins Portemonnaie greifen.
Das Konzept der “Genusskarte” war auch nicht eben leicht verständlich. Da hätte vermutlich viel mehr Werbung im Vorfeld gemacht werden müssen, und das nicht in wortgewaltigen Abhandlungen, sondern in kurzen, griffigen Slogans. Die Printmedien entlang der Küste wurden zu wenig und/oder zu spät genutzt, um Menschen auf “Pinn & Pann” neugierig zu machen. Das konnte durch das Dutzend von Werbetrailern auf Radio Schleswig-Holstein nicht wettgemacht werden.
Eine geschlossene, stimmungsvolle Atmosphäre stellte sich nur hier und da gelegentlich ein, und am stärksten war dies im Fischereihafen der Fall. Das gilt es zu verstärken.
Natürlich kam auch das Wetter “Pinn & Pann” in die Quere, aber so ist das nun mal mit den Freiluftveranstaltungen an der Ostseeküste, und bisher hatte die Tourismuszentrale mit ihren Veranstaltungen überdurchschnittlich viel Glück, was die Witterung angeht.
Mit “Pinn & Pann” hat die LTM durchaus Ideen präsentiert, die weiter entwickelt werden können. Bei der Umsetzung ist sie allerdings zu kurz gesprungen und am Ende – kurioserweise – bei der Bewertung der Veranstaltung weit über das Ziel hinausgeschossen.
Leo Leuchtturm










Die GRÜNEN befanden schon vor geraumer Zeit, dass der runde Ortsratstisch ziemlich eckig sei, das heißt, dass eine im Sinne Travemündes offene Diskussion nicht stattfinden konnte, weil die anderen Parteien, allen voran die CDU, schon mit festen Parteipositionen in die Sitzungen gingen. (Ein „Fehltritt“ war der vorübergehende CDU-Ortsratsvoritzende Jörn Halske, der den Tisch allzu rund gestaltete und deswegen auch schnell wieder gehen musste.)
Nun verlässt also auch die SPD den Ortsrat, die stärkste Partei in der Lübecker Bürgerschaft, die zweitstärkste Partei in Travemünde. Bravo, Herr Reinhardt (SPD-Fraktionsvorsitzender in Lübeck), das haben Sie gut hingekriegt, dieses Geseiere von einem Ortsbeirat (der formale Rechte hätte) ist Ihnen doch sowieso auf den Sack gegangen. Bravo, Herr Hovestädt, Sie sind wirklich eine treue Stimme Ihres Herrn. Wo bleibt da der freie „eulenspiegelische“ Geist?
Tut mir leid, lieber Ortsrat, aber ohne die größte Partei in der Lübecker Bürgerschaft bist Du nichts als eine Quasselbude, auf die niemand hören muss. Ich weiß, ich weiß, die CDU regelt das ja wieder informell… aber BfL, FDP und LINKE werden da gar nichts regeln. – Müdes Lächeln.
Heute stimmt da gar nichts mehr. Gibt es noch andere Hoffnungsträger? Die Handwerkergemeinschaft hüllt sich in Schweigen. Die Travemünder Wirtschaftsgemeinschaft (TWG) hat gerade eine Unterschriftensammlung initiiert, weil der Lübecker Wirtschaftssenator Schindler der TWG keine Auskunft geben mochte, was der Stand der Dinge beim AquaTop ist. – Na, angesichts dieser Bedrohung wird der Herr Senator jetzt wahrscheinlich zähneklappernd und knieschlotternd unter der Bettdecke liegen und nach „Mama“ schreien! – Zahnlos.
Na bravo, Lübeck hat’s geschafft! Ach was, von wegen Lübeck, Travemünde braucht Lübeck gar nicht, um sich heillos zu zerstreiten, um nur noch ohne Sinn und Ziel vor sich hin zu quasseln. Mein runder Tisch, dein runder Tisch, mein Ortsrat, dein Ortsrat. Horrido, wir beballern uns mit Pressemitteilungen, was für `ne Gaudi! Denen haben wir’s aber wieder gegeben!