
"Macht Seifenblasen für einander!" (Foto: Bernd Scheel)
Ach, schade. Jetzt sind sie wieder weg. Die vielen qietschgrünen T-Shirts mit der Aufschrift “Heaven”, und drin steckten meist sehr junge Leute, große Kinder, junge Erwachsene und senkten den Altersdurchschnitt in Travemündes Straßenbild ganz beträchtlich.
Manch einer der jungen Menschen mochte sich vielleicht in den drei Masken “Verhinderung”, “Verängstigung” und “Verzweiflung”, die eine Rolle im Eröffnungsgottesdienst am Freitag spielten, anfangs noch wiederfinden, aber die wurden bis zum Sonntag durch “Hoffnung”, “Glaube” und “Liebe” vertrieben, zumindest ergänzt. Das klingt nun wieder vielleicht arg kirchlich, aber die Evangelische Kirche scheint – endlich – bei den Jugendlichen angekommen zu sein. Da war kein “du musst” zu hören, mehr “du kannst” und “du darfst”, die Predigt beschränkte sich auf fünf Sätze. Schön waren die Stimmungen, die sich unter dem Zeltdach im Brügmanngarten ausbreiteten: Das ging von ergriffenem Mucksmäuschenstill bis zu juchzender Begeisterung, etwa als alle, aber auch alle, in die Seifenblasenproduktion gingen.

Ganz einfach und immer wieder wunderschön: Seifenblasen (Foto: Bernd Scheel)
Schön und jugendlich war auch der Festival-Song “Get up and Walk”, der sich überall gut sehen und hören lassen kann. Der wurde von der Gruppe “Gangway” bestens präsentiert. Apropos Musik: Da gab es enorm viel Hörenswertes auf den Bühnen im Brügmanngarten und an der Travepromenade. Nicht alle Bands wären was für das breite Travemünder Publikum, aber eine Truppe wie die “Mountain Soul Unit” spielte nicht nur Aretha Franklins “Respect”, sondern hatte den auch reichlich verdient und würde nicht nur von einem jugendlichen Publikum viele Lorbeeren einheimsen. Sieben junge, in ihrer Lust zum Singen kaum zu übertreffende Sängerinnen stehen da auf der Bühne und ihre noch längst nicht ausgereiften Stimmen sind ein großartiges Versprechen auf die Zukunft. Und nicht nur die Sängerinnen waren toll. Selbst das Abendmahl war ein musikalisches Erlebnis mit einer gefühlvoll untermalenden Posaune, deren Klänge sich sanft um die Streben des Zeltdachs wanden.

Bischöfin Maria Jepsen nahm am Eröffnungsgottesdienst teil (Foto: Bernd Scheel)
Natürlich war auch das Wetter toll! Oder? Die vielen, vielen Workshops, die am Samstag angesetzt waren, litten wohl ein wenig unter der knalligen Sonne, und manch einer zog dann den Zelten doch den Strand und die Liegewiese vor. Aber wie gesagt: Du kannst, du musst nicht.
Am Rande des Festivals gab es auch noch Darbietungen, die absolut aus dem Rahmen fielen. Ganz großartig die “Kaffeetütenmodenschau” der Leipziger Gemeinde Connewitz, die Begeisterungsstürme hervorrief. Die verdient einen eigenen Artikel und eine eigene Bildergalerie: “Kaffee total” aus Leipzig.
Glaube, Liebe, Hoffnung – alles nur Seifenblasen, die schnell zerplatzen? Vielleicht. Aber man konnte sich schon anstecken lassen von der jugendlichen Euphorie unterm Zeltdach. Und selbst wenn die Seifenblase zerplatzte, war sie doch wunderschön! Macht Seifenblasen für einander!
bs
www.heaven-festival.de
